Soziales Abfallzentrum Battambang

Battambang liegt 290 km nordwestlich von Phnom Penh und ist mit ca. 180.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Kambodschas. Die Abfälle der Bevölkerung – ca. 100-130 to täglich – werden auf einer ungesicherten Fläche zwischen Reisfeldern und Sumpfgebieten ca. 3 km vor der Stadt entfernt entsorgt.

Das Projekt SAB wurde durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und die Schmitz-Hille-Stiftung unterstützt. Ziel war, das soziale, wirtschaftliche und ökologische Umfeld der dort lebenden Menschen zu verbessern. Es sollte nicht nur den Müllsammlerfamilien auf der Deponie sondern auch den anliegenden Kleinbauern- und Tagelöhnerfamilien die Chance auf Bildung geben und ihnen ein menschenwürdiges Leben ermöglichen.

Im März 2009 startete die Kleine Bildungschance e.V. das Entwicklungshilfeprojekt „Soziales Abfallzentrum Battambang“ (SAB)

Es wurde ein Zentrum gebaut mit einem überdachten Sortierplatz und einer Kompostierungsanlage. Für die Kinder wurden Unterrichtsräume und Spielmöglichkeiten geschaffen, sowie eine Kochgelegenheit und sanitäre Einrichtungen. Um den unerträglichen Rauch der im Sommer häufig brennenden Deponie fern zu halten wurden inzwischen alle Räume überdacht und mit schließbaren Fenstern und Lüftungsanlagen versehen. Nach und nach wurde das Zentrum erweitert und verbessert. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wird es von den Müllsammlerfamilien immer mehr angenommen und genutzt.

Wichtiger Bestandteil der Arbeit der Betreuer im SAB ist es, die Kinder und Jugendlichen zum Schulbesuch anzuhalten. Besonders bei den ärmeren Familien ist bisweilen die Versuchung groß, die Kinder, auch jüngere, nicht zum Schulbesuch anzuhalten, sondern sie beim Geld verdienen mithelfen zu lassen.

Die Betreuer motivieren die Kinder und Jugendlichen und sprechen bei Bedarf mit den Eltern.

Für jedes Schulkind gibt es in der Regel in Deutschland einen Paten oder eine Patin, von dessen/deren monatlicher Spende ein Teil direkt für das Patenkind verwendet wird. Es werden die Schulkleidung, Hefte und Schreibmaterial gestellt sowie monatlich ein kleiner Geldbetrag, mit dem die Schülerinnen und Schüler einen Teil des durch die eigenen Lehrer gegebenen, fast obligatorischen Nachhilfeunterrichts zahlen können. Zu Beginn der Schulzeit erhalten die Kinder zudem ein Fahrrad, mit dem sie zur Schule fahren.

In Zusammenarbeit mit unserer kambodschanischen Partnerorganisation COMPED, durch finanzielle Unterstützung deutscher Firmen und privaten Spendern, sowie Institutionen und vielen freiwilligen Helfern haben wir die angestrebten Ziele erreicht:

  • Bis 2020 wurde die Arbeit mit den Kindern im SAB von deutschen Freiwilligen unterstützt, die in Kambodscha ein freiwilliges soziales Jahr ableisteten. Das war ein Gewinn für alle Beteiligten, denn jeder lernte vom Anderen. Inzwischen arbeiten im SAB genauso begeistert kambodschanische jugendliche Freiwillige.
  • Ab 2022 gibt es auch für deutsche Freiwillige wieder die Möglichkeit, sich im SAB zu engagieren.
  • Der Wertstoffsortierplatz bietet eine höhere Ausbeute der wiederverwertbaren Stoffe, was den Müllsammlern höhere Einnahmen ermöglicht. Durch die Kompostierungsanlage werden durch den hohen organischen Anteil des Abfalls (bis zu 75% des Gesamtabfalls) weitere finanzielle Einnahmen generiert. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass die lokalen Bauern anstelle von kostenintensiven, chemischen oder mineralischen Düngern Kompost aus dem SAB für ihre Felder nutzen können. Wir glauben, dass die gesamten Maßnahmen dazu beitragen, den Müllsammlerfamilien ein ausreichendes Einkommen zu ermöglichen, so dass ihre Kinder -statt auf der Deponie zu arbeiten- in die Schule gehen können.
  • Wir bieten Trainings für die Müllsammler zum Thema Hygiene und Trainings für die Bauern zum Thema Kompost an.

Das SAB wurde 2018 an die Organisation Comped übergeben. Heute unterstützt die KBC hier noch einzelne Projekte z.B. durch Patenschaften finanziell.

Einzelprojekte im SAB

Englischunterricht
Nach dem lockeren Üben von Vorträgen und dem Lesen von Geschichten in der großen Kinderrunde, gibt es eine Stunde einfachen Englisch Unterricht, nach Gruppen getrennt für die jüngeren und die älteren Kinder. Hier geht es nicht um strenges Lernen der Vokabeln, vielmehr sollen die Kinder ein Gefühl für die Sprache entwickeln und Freude daran haben, es auszuprobieren.

Fußball
Fußball spielen ist auch in Kambodscha wie fast überall auf der Welt eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen. Sobald der Englischunterricht zu Ende ist, stürmen die meisten Kinder, Große, wie Kleine, Mädchen wie Jungen, auf den Fußballplatz des SAB. Die Sozialarbeiter achten darauf, dass jeder angemessen beteiligt wird und gleichen bei Bedarf die unterschiedlichen Kräfteverhältnisse der beiden Mannschaften durch eigenen Einsatz aus. Donnerstags und Freitags kommen zwei Fußballtrainer, die den Kindern neben dem sportlichen Teil auch faires Verhalten und Teamgeist vermitteln. An einigen Wochenenden finden von einer privaten Organisation veranstaltete Fußball Turniere statt. Da es immer wieder Spender für Trikots und Fußballschuhe gibt, können dort auch die Kinder des SAB teilnehmen. Und wer da gerade nicht selbst mitspielt, ist wenigstens als Schlachtenbummler mit dabei.

Garten
Wenn kein Fußballtraining ist, wird der Garten in Angriff genommen und die Kinder versuchen hierbei die gelernten englischen Worte anzuwenden. Mit Unterstützung des Hausmeisters gedeiht mal mehr mal weniger gut heimisches Obst und Gemüse. Wenn dann die Ernte gut ausfällt dürfen die Kinder etwas davon mit nachhause nehmen.

Zirkustraining
Eines der beliebtesten Projekte im SAB ist das Zirkustraining, das samstags und sonntags von 8 bis 11 Uhr stattfindet. Professionelle Trainer des Zirkus Phare Selpak Ponleu aus Battambang unterrichten die Kinder umsichtig und spielerisch in Akrobatik, Jonglieren, Einrad fahren und vielem mehr. Natürlich wollen die Kinder auch zeigen was sie können und die erarbeiteten Zirkusvorführungen sind fester Bestandteil zu jedem Fest und auch zu Besuchen deutscher Sponsoren und anderer Besucher.
Warum das Zirkus-Projekt unterstützen?

Ein Junge, der von Anfang an dabei war ist An Chivan (Chivan ist sein Vorname, der in Kambodscha immer an zweiter Stelle steht). Chivan war in der 5. Klasse als er zum ersten mal ins SAB kam. Er lebte damals mit seinen Geschwistern, seinen Eltern und seinen Großeltern in einer aus Müllresten gebauten zeltähnlichen Unterkunft, die bei Regen ständig unter Wasser stand. Alle arbeiteten auf der Mülldeponie. Glücklicherweise legten Chivans Vater und der Großvater Wert darauf, dass ihr Sohn regelmäßig zur Schule geht. Chivan war vom Zirkustraining im SAB begeistert und einer der geschicktsten im Jonglieren, im Balancieren, auf dem Rollbrett und im Einrad fahren. Sehr schnell wurden Paten für Chivan gefunden, die ihn und seine Familie unterstützten. Sogar ein neues einfaches Holzhaus wurde von ihnen finanziert. Das SAB war für Chivan eine wichtige Begegnungsstätte, hier traf er Freunde und fand Unterstützung beim Lernen. Durch das Zirkustraining lernte er sich zu konzentrieren und diszipliniert an einer Sache zu arbeiten. Mittlerweile hat er die Schule nach 12 Jahren abgeschlossen und eine Ausbildung begonnen. Die Zirkusarbeit bietet den Kindern abseits ihres oft harten Alltags die Möglichkeit, etwas ganz anderes zu erleben. Mit Zirkustechniken wird das Selbstwertgefühl der Kinder gestärkt, die Teamfähigkeit gefördert und das kreative Denken angeregt, um nur einige positive Effekte zu nennen. Mit Blick auf die Zukunftsaussichten der Müllsammlerkinder kann zum Beispiel ein gestärktes Selbstvertrauen entscheidend sein, wenn es darum geht, den Lehrmeister oder Chef von sich zu überzeugen. Und ganz nebenbei haben die Kinder jede Menge Spaß.

Patenschaften
Wichtiger Bestandteil der Arbeit der Betreuer im SAB ist es, die Kinder und Jugendlichen zum Schulbesuch anzuhalten. Besonders bei den ärmeren Familien ist bisweilen die Versuchung groß, die Kinder, auch jüngere, nicht zum Schulbesuch anzuhalten, sondern sie beim Geld verdienen mithelfen zu lassen. Die Betreuer motivieren die Kinder und Jugendlichen und sprechen bei Bedarf mit den Eltern. Für jedes Schulkind gibt es in der Regel in Deutschland einen Paten oder eine Patin, von dessen/deren monatlicher Spende ein Teil direkt für das Patenkind verwendet wird. Es werden die Schulkleidung, Hefte und Schreibmaterial gestellt sowie monatlich ein kleiner Geldbetrag, mit dem die Schülerinnen und Schüler einen Teil des durch die eigenen Lehrer gegebenen, fast obligatorischen Nachhilfeunterrichts zahlen können. Zu Beginn der Schulzeit erhalten die Kinder zudem ein Fahrrad, mit dem sie zur Schule fahren.

SAB Daycare
Für die jüngsten Kinder der Müllsammler wurde im SAB eine Kita ins Leben gerufen.
Ziel ist, die Lebensbedingungen der Kinder in Bezug auf Hygiene und Ernährung zu verbessern, ihre Sozialkompetenz zu entwickeln sowie ihre Bildungschancen zu stärken. Jeden Morgen werden die Kinder von der Deponie bei ihren Familien abgeholt und ins SAB gebracht. Dort werden sie zuerst geduscht und erhalten frische Kleidung (ihre abgelegte Kleidung wird inzwischen gewaschen). Danach wird gemeinsam gefrühstückt. Nach dem Zähne putzen verbringen sie den Tag entsprechend ihrem Alter mit individuellen oder gemeinsamen Spielen, im Sandkasten und ersten Vorschulaufgaben. Nach dem Mittagessen wird von den jüngeren Kindern ein Mittagsschlaf gehalten. Die bereits schulpflichtigen Kinder gehen dann nachhause und machen sich für die Schule fertig. In der SAB-Kita werden zurzeit ca. 30 Kinder betreut.